Krebserregendes Nitrat im Grundwasser

Was ist Nitrat und wo kommt es her?

Nitrat entsteht hauptsächlich durch die intensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung. Gülle enthält viel Ammonium, Ammoniak und andere organische Stickstoffverbindungen. Aus diesen Stickstoff-Verbindungen wird nach dem Austrag auf das Feld durch den Nitrifikationsprozess Nitrat gebildet.

Nitrate sind Salze der Salpetersäure. Sie kommen natürlicherweise in der Umwelt vor oder werden in Form von weiteren Salzen zur Düngung eingesetzt. Da sie von den Pflanzen direkt als Stickstoffquelle aufgenommen und im Stoffwechsel verwendet werden können, werden Nitrate häufig in der Landwirtschaft und in privaten Gärten als Düngemittel verwendet. Diese Düngemittel können künstlich hergestellt oder in Form von Jauche verabreicht werden.

Das Nitrat im Grundwasser in der Schweiz stammt denn auch zum grössten Teil aus dieser Quelle und ist ein unerwünschter Bestandteil des Trinkwassers. Der Höchstwert liegt bei 40mg/l und kann in Gebieten mit Intensivlandwirtschaft schon mal erreicht werden.

Quellen: http://trinkwasser.svgw.ch/index.php?id=815

Warum ist Nitrat schädlich für uns?

Eine neue Studie fand bereits ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs bei Nitrat-Konzentrationen unter dem Grenzwert. Schon bei 16,75 Milligramm pro Liter steigt das Risiko um 20 Prozent. Sogar bei noch tieferen Nitrat-Werten fanden die Forscher von der Universität Aarhus einen Zusammenhang zwischen Nitrat im Trinkwasser und Darmkrebs. Denn Nitrat wandelt sich zu Nitrit. Und das reagiert im Magen mit lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen zu sogenannten Nitrosaminen, die als krebserregend gelten.

Darmspezialist Stephan Vavricka vom Zentrum für Gastroenterologie und Hepatologie in Zürich hält diesen Zusammenhang für gut möglich. Er weiss aus eigener Forschung, dass Nitrat krebserregend sein kann.

Nitrat selber als Stoff ist nicht giftig. Das Problem ist: Wenn Nitrat im Körper verstoffwechselt wird, entstehen bestimmte krebserregende Verbindungen. – Stephan Vavricka, Darmspezialist

Quelle: https://www.srf.ch/sendungen/puls/zu-viel-duenger-im-trinkwasser

EU-Kommission setzt Deutschland letzte Frist

Die Brüsseler Behörde setzte der Bundesregierung am Donnerstag eine letzte Frist von zwei Monaten, ehe der Fall erneut vor dem Europäischen Gerichtshof landen könnte und Geldstrafen in Millionenhöhe drohen. Das teilte der deutsche Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth mit.

Quelle: https://de.sputniknews.com/politik/20190725325506094-nitrat-grundwasser-eu-kommission-setzt-deutschland-letzte-frist/

Warum einfach tiefer bohren keine Lösung ist.

Grundwasser ist nicht gleich Grundwasser. Fachleute unterscheiden zwischen oberflächennahem und Tiefengrundwasser. Das Tiefengrundwasser muss nicht besonders tief liegen, man findet es zwischen etwa 40 und 250 Metern unter der Erde. Seine Besonderheit ist, dass es sich nur langsam regeneriert.

Wenn man durch übermässige Landwirtschaft das Oberflächen-Grundwasser verunreinigt, bohrt man einfach tiefer. Was zur Folge hat, dass Schadstoffe aus dem oberflächennahen Grundwasser dann auch in die Tiefe sickern können und das Tiefengrundwasser verunreinigen.

Quelle: https://www.br.de/nachrichten/wissen/sauberes-trinkwasser-warum-tiefengrundwasser-keine-loesung-ist,RX4tBAt

Unsere Lösung!

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Verbotene Pestizide in Europas Flüssen

Tests in zehn Ländern finden kein einziges Gewässer ohne Pestizid-Kontamination

Kontaminiertes Wasser: Das Wasser europäischer Flüsse und Kanäle ist mit mehr als hundert verschiedenen Pestiziden kontaminiert – teilweise über die Grenzwerte hinaus, wie jetzt Tests in zehn Ländern enthüllen. Unter den Chemikalien sind auch 24 nicht mehr in der EU zugelassene Substanzen, sowie 21 Tierarzneimittel. Die meisten Pestizide waren Unkrautvernichtungsmittel, aber auch Neonicotinoide waren in erhöhten Dosen vertreten, wie die Forscher berichten.

Vieles, was von uns Menschen ins Abwasser oder in die Umwelt abgegeben wird, landet irgendwann im Boden oder in den Gewässern. Forscher haben schon mehrfach Rückstände von Pestiziden, Arzneimitteln und Kontrastmitteln in Flüssen und Bächen und sogar im Trinkwasser nachgewiesen. Auch multiresistente Bakterien sind in deutschen Gewässern keine Seltenheit mehr.

Wie groß das Ausmaß der Gewässerbelastung in Europa ist, haben nun Forscher erneut mit Stichprobentests überprüft. Für ihre Studie entnahmen sie Wasserproben in 29 Flüssen und Kanälen in zehn europäischen Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien Polen und Belgien. Alle Wasserproben wurden auf 245 verschiedene Pestizide und 101 Tierarzneimittel-Wirkstoffe getestet.

Bis zu 70 Pestizide auf einmal

Das Ergebnis: Kein einziges untersuchtes Gewässer war völlig frei von Pestiziden. „Alle europäischen Flüsse und Kanäle in dieser Untersuchung waren mit Mischungen von Pestiziden kontaminiert und in den meisten Fällen auch mit mehreren Tierarzneimitteln“, berichtet Jorge Casado vom Greenpeacelabor an der University of Exeter. Insgesamt wiesen er und sein Team 103 verschiedene Pestizide und 21 Tierarzneimittel im Wasser nach.

Etwa die Hälfte der im Wasser nachgewiesenen Pestizide waren Unkrautvernichtungsmittel, der Rest waren Insektizide oder Fungizide. Fast immer jedoch kamen gleich mehrere dieser Wirkstoffe in einer Wasserprobe vor – ein Kanal in Belgien enthielt sogar 70 Pestizide auf einmal. „Wir wissen, dass viele dieser Pestizide schon einzeln bedenklich sind. Aber wie diese Chemikalien-Mischungen auf die Tierwelt und die menschliche Gesundheit wirken, ist bisher kaum bekannt“, sagt Casado.

24 nicht mehr zugelassene Pestizide

Bedenklich auch: In 13 der 29 Gewässer überschritt die Konzentration von mindestens einem Pestizid die in der EU gültigen Grenzwerte. Besonders häufig galt dies für die gegen Schadinsekten eingesetzten Neonicotinoide Imidacloprid und Clothianidin – beide sind inzwischen für den Freilandeinsatz in der EU verboten. Ebenfalls nicht mehr zugelassen ist das Fungizid Carbendazim. Dennoch wiesen die Forscher dieses Mittel in 93 Prozent ihrer Proben in teilweise hohen Konzentrationen nach.

Insgesamt fanden Casado und sein Team 24 Pestizide in den Flüssen und Kanälen, die in der EU nicht oder nicht mehr zugelassen sind. Wie sie betonen, muss dies jedoch nicht bedeuten, dass Landwirte diese Mittel illegal eingesetzt haben. Viele dieser Rückstände könnten auch aus der Zeit vor dem Verbot stammen oder über noch zugelassene Einsatzweisen in die Umwelt gelangt sein. Allerdings sei die Konzentration einiger dieser Wirkstoffe „bemerkenswert“, so Casado und seine Kollegen.

„Signifikante Bedrohung der aquatischen Umwelt“

Bei den Arzneimittel-Rückständen dominierten Reste von Antibiotika in den Wasserproben, wie die Forscher berichten. Insgesamt wiesen sie 21 verschiedene Medikamenten-Wirkstoffe nach. Besonders häufig vertreten war dabei ein Antibiotikum aus der Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika: Dicloxacillin wurde in zwei Dritteln der Wasserproben nachgewiesen, wie Casado und sein Team berichten.

„Mit unseren Untersuchungen europäischer Gewässer haben wir eine signifikante Bedrohung der aquatischen Umwelt zur Zeit der Probennahme identifiziert“, konstatieren die Forscher. „Wir wissen bis heute nicht, was es für Mensch und Tier bedeutet, wenn sie einer so komplexen und variablen Belastung durch schädliche Chemikalien ausgesetzt sind – selbst dann, wenn einige davon in Konzentrationen vorkommen, die einzeln als nicht bedenklich gelten.“ (Science of the Total Environment, 2019; doi: 10.1016/j.scitotenv.2019.03.207)

Quelle: University of Exeter

PCB: Umweltgift gefährdet Orcas

Etlichen Walpopulationen droht der Kollaps

Fatale Vergiftung: Die Belastung mit dem Umweltgift PCB könnte Orcas in vielen Teilen der Welt zum Verhängnis werden. Wie eine aktuelle Studie zeigt, leidet mehr als die Hälfte der globalen Populationen merklich unter den Folgen dieses toxischen Erbes – besonders gefährdet sind zum Beispiel Killerwale in Japan, Brasilien und Europa. Diesen Populationen könnte schon in wenigen Jahrzehnten der totale Kollaps drohen, warnen die Forscher im Fachmagazin „Science“.

Polychlorierte Biphenyle (PCB) gehören zum „Dreckigen Dutzend“ der hochgiftigen und krebserregenden Umweltgifte. Der Einsatz dieser organischen Chlorverbindungen wurde 2001 weltweit verboten – in den USA und Europa werden die Schadstoffe sogar bereits seit den 1980er Jahren kaum mehr verwendet. Weil Polychlorierte Biphenyle kaum abbaubar sind und sich in der Nahrungskette anreichern, lassen sie sich jedoch bis heute in Böden, in Gletschereis und auch im Körper zahlreicher Lebewesen nachweisen – allen voran in Meeressäugern.

Besonders belastet sind dabei Killerwale. Der Grund: Orcas stehen als Spitzenjäger der Meere am oberen Ende der Nahrungskette, weshalb sich das Gift bei ihnen in großen Mengen anreichert. Außerdem geben weibliche Tiere die Belastung über die Muttermilch an ihren Nachwuchs weiter. Forscher haben im Blubber von Killerwalen schon früher vereinzelt PCB-Konzentrationen von 1.300 Milligramm pro Kilogramm Fettgewebe nachgewiesen. Bereits ab einer Belastung zwischen 40 und 50 Milligramm drohen den Tieren Infekte, Immunstörungen und Unfruchtbarkeit.

Belastete Meeressäuger

Wie sehr aber gefährden die Umweltgifte die globalen Populationen dieser Meeressäuger wirklich? Dieser drängenden Frage haben sich nun Jean-Pierre Desforges von der Universität Aarhus und seine Kollegen gewidmet. Dazu sammelten die Wissenschaftler zunächst Daten zur Belastung der Wale – insgesamt standen ihnen Blubber-PCB-Konzentrationen von 351 Orcas aus unterschiedlichen Teilen der Welt zur Verfügung.

Gemeinsam mit Schätzungen zum Populationsbestand und Daten zu den toxikologischen Effekten der Umweltgifte nutzten sie diese Informationen für eine Modellberechnung: Wie wird sich PCB in den kommenden 100 Jahren auf die Entwicklung der Killerwal-Populationen auswirken?

Kaum noch Nachwuchs

Das erschreckende Ergebnis: Zehn der 19 untersuchten Populationen schrumpfen rapide und werden dies auch in Zukunft tun – als Folge könnten die Killerwale schon in wenigen Jahrzehnten aus einigen Regionen komplett verschwunden sein. „Wir sehen, dass mehr als die Hälfte der Orca-Populationen extrem durch Polychlorierte Biphenyle beeinträchtigt werden“, sagt Desforges.

Besonders prekär ist die Lage demnach in den Gewässern rund um Brasilien, in der Straße von Gibraltar, im nordöstlichen Pazifik sowie rund um Großbritannien. In diesen Gegenden liegt die Belastung der Wale durchweg über dem kritischen Wert von 40 Milligramm pro Kilogramm. „Wir beobachten dort nur noch sehr selten Neugeborene“, sagt Mitautorin Ailsa Hall von der University of St. Andrews. Die mangelnde Fortpflanzung zeigt sich unter anderem rund um die Britischen Inseln eindrücklich: Dort zählt die verbleibende Population schätzungsweise noch zehn Individuen.

Kurz vor dem Kollaps

Der Prognose nach ist das Risiko groß, dass die Populationen in den nun identifizierten Gefährdungsbereichen innerhalb der nächsten 30 bis 40 Jahre kollabieren werden. Warum das Schicksal ausgerechnet für diese Orcas so düster aussieht, lässt sich leicht erklären: Sie leben in der Nähe hoch-industrialisierter Gebiete, die PCB einst in großem Maßstab produzierten und nutzten.

Daneben spielt auch die Ernährung eine Rolle: Killerwale, die vor allem Robben und andere in der Nahrungskette weit oben stehende Meeressäuger fressen, sind gefährdeter als solche, bei denen vorwiegend Fisch auf dem Speiseplan steht. So sind manche auf Robben spezialisierte Orcas im Nordostpazifik beispielsweise zehn- bis zwanzigmal so stark belastet wie ihre fischfressenden Verwandten, die entlang derselben Küsten leben.

Nach wie vor freigesetzt

Insgesamt zeichnet die Studie ein besorgniserregendes Bild zur Zukunft der Killerwale. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer: In den Walrevieren rund um die Färöer-Inseln, Island, Norwegen, Alaska und die Antarktis ist PCB-Belastung deutlich niedriger und die Populationen wachsen – auch in den kommenden 100 Jahren, wie die Modelle prognostizieren.

„Alles in allem zeigt sich allerdings, dass Maßnahmen zum Schutz der Orcas durch die immer noch problematischen PCB-Konzentrationen merklich behindert werden“, schreiben die Wissenschaftler. „Dies macht deutlich, dass wir nicht genug getan haben, um die Anreicherung dieser Umweltgifte in langlebigen und besonders gefährdeten Arten wie dem Killerwal zu verhindern. Wir brauchen dringend weitere Initiativen“, fordert Mitautor Paul Jepson von der Zoological Society of London.

Tatsächlich lässt sich auch heute noch etwas gegen die Belastung tun. Denn die organischen Schadstoffe werden nach wie vor freigesetzt – zum Beispiel, wenn kontaminierte Gebäude abgerissen oder andere PCB-haltige Materialien unsachgemäß entsorgt werden.

(Bild: Copyright Universität Aarhus)

Mikroplastik im Mittelmeer

Jeden Sommer bringen die Urlauber an den Stränden des Mittelmeers eine riesige Welle von Meeresabfällen mit sich. Touristen verursachen jeden Sommer einen 40 prozentigen Anstieg des Kunststoffs, der in das Mittelmeer eindringt.

Ein neuer vom WWF veröffentlichter Bericht wurde im Mittelmeer veröffentlicht, der zu 95 Prozent aus Kunststoff besteht. Zu den schlimmsten Übeltätern für Plastikverschmutzung zählten die Türkei, Spanien, Italien, Ägypten und Frankreich – Länder, die dieses Jahr mehr als 34 Millionen Briten besuchen. Obwohl das Mittelmeer mehr Aufmerksamkeit erhalten hat als die berüchtigten „Müllflecken“, die sich in grossen Ozeanen bilden, wurde es von Wissenschaftlern als eine der am stärksten bedrohten Regionen durch Meeresmüll beschrieben.

„Die Mikroplastik, die im Mittelmeer gefunden wurde, war fast viermal höher als die der Plastikinsel im Nordpazifik“ – Lyndsey Dodds, Leiter der Meerespolitik beim WWF

Während das Mittelmeer nur 1 Prozent des weltweiten Wassers enthält, enthält es 7 Prozent aller weltweiten Mikroplastikabfälle. Viele Faktoren machen dies möglich“, sagte Dr. David Barnes vom British Antarctic Survey, dessen Forschung zum WWF-Bericht beigetragen hat.

Das Mittelmeer ist eine Region hoher anthropogener Belastungen. Kunststoffe sammeln sich in grossen Mengen im halbgeschlossenen Meer an, wo sie sich über lange Zeiträume zu immer kleineren Fragmenten zersetzen. Zunehmender Abbau und Verfall des Kunststoffmaterials“ – Dr. Barnes 

Mikroplastik – winzige Bruchstücke, die aus Kosmetika, Kleidung oder dem Abbau von grösseren Kunststoffen stammen können – haben eine allgegenwärtige Bedrohung, mit Proben von Meereis an beiden Polen, die Spuren davon aufweisen. Obwohl sich Wissenschaftler nicht über die Auswirkungen von Mikroplastik im Klaren sind, gibt es Bedenken, dass sie sich in der Nahrungskette anreichern und zu gesundheitlichen Problemen für Tiere und potenzielle Menschen führen werden. Dies scheint sich bei den Finnwalen des Pelagos Sanctuary im nordwestlichen Mittelmeerraum abzuzeichnen.

Das Gewebe dieser Riesensäugetiere weist Phthalate auf, die fünfmal höher sind als die von weniger kontaminierten Regionen. Dieses Volumen, das 66.000 Müllwagen entspricht, stellt eine grosse Bedrohung für Meereslebewesen dar, die sich in Plastik verfangen oder es verzehren können, nachdem sie es als Nahrung missverstanden haben. Dem Bericht zufolge ist Europa zu einem der grössten Kunststoffproduzenten der Welt geworden – an zweiter Stelle nach China.

„Die Vögel, Fische und Schildkröten des Mittelmeers ersticken an Plastik. Deshalb bitten wir die Leute, darüber nachzudenken, wie sie die Menge an Einweg-Plastik, die sie verwenden, reduzieren und in den Urlaub schmeissen können.“– Fabio Hüther & Umuntu Team 

Quellennachweise

  • https://www.researchgate.net/publication/291185927_Microplastics_in_the_Mediterranean_Sea_Deposition_in_coastal_shallow_sediments_spatial_variation_and_preferential_grain_size
  • head picture from JOHN HOLCROFT / GETTY IMAGES

Raus mit Pestiziden, rein mit Wildblumen

Wildblumenstreifen ermöglichen die Ausbreitung von schädlingsfressenden Insekten auf den Feldern und reduzieren so den Bedarf an Pestiziden. 

Von roten Mohnblumen bis hin zu blauen Kornblumen sind diese Wildblumen, die sich durch ein Feld in der Schweiz schlängeln, kein malerischer Zufall. Sie bilden einen von 100 Streifen, die dort durch die Felder gepflanzt werden, um die natürlichen Räuber von Schädlingen zu fördern und so den Bedarf an Pestiziden zu reduzieren.

Massgeschneiderte Blumenstreifen ermöglichen es schädlingsfressenden Insekten, sich durch die Felder zu bewegen, anstatt sich auf den Umfang zu beschränken. In einem ähnlichen Projekt in England wurden auf 15 grossen Ackerbaubetrieben in Mittel- und Ostteil des Landes Blumen wie Ochsenauge, Rotklee, Ambrosia und Wildkarotte gepflanzt. Die Streifen werden fünf Jahre lang im Rahmen einer Studie des Centre for Ecology and Hydrology (CEH) – der ersten ihrer Art in Grossbritannien – überwacht.

Achieving Sustainable Agricultural Systems ist eine fünfjährige Forschungsinvestition der britischen Regierung in Höhe von 11 Millionen Pfund, die Wissenschaftler und „Industrie-Innovatoren“ zusammenbringt, um daran zu arbeiten, die Landwirtschaft effizienter, nachhaltiger und widerstandsfähiger gegen künftige Schocks zu machen. Die Verwendung von Wildblumenrändern zur Unterstützung von Insekten wie Laufkäfern, parasitären Wespen und Schwebfliegen reduziert nachweislich die Schädlingszahlen in den Kulturen und steigert sogar die Erträge.

Da GPS-gesteuerte Erntemaschinen jetzt sehr präzise ernten können, lassen sich Blumenstreifen auf den Feldern vermeiden, die das ganze Jahr über als Zufluchtsort für Insekten dienen. „Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass die natürliche Schädlingsbekämpfung von den Rändern grosser Ackerflächen schnell abfällt. Wir hoffen, dass die Aussaat von Blumenstreifen durch die Mitte der Felder als’Raubtierautobahnen‘ die Vorteile der natürlichen Schädlingsbekämpfung in die Mitte der Felder bringen wird“, sagte Prof. Richard Pywell von CEH.

Wirksame und belastbare Strategien für den künftigen Pflanzenschutz müssen wirklich ganzheitlich sein

„Die Palette konventioneller Pestizide, die von Landwirten zur Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten eingesetzt werden, wird immer kleiner. Dies spiegelt den wachsenden öffentlichen und politischen Druck wider, den Einsatz von Pestiziden aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Gefährdung der menschlichen Gesundheit und der Umwelt zu reduzieren. Dazu kommt, dass immer mehr Schädlinge gegen Pestizide resistent werden und weniger neue Pestizide entwickelt werden, weil die Kosten für Entdeckung und Entwicklung immer höher werden.“

Es ist daher ein guter Zeitpunkt, so Pywell, Strategien für den Pflanzenschutz zu überdenken. „Wirksame und belastbare zukünftige Pflanzenschutzstrategien müssen wirklich ganzheitlich sein und die Integration einer Reihe von Bekämpfungsmethoden erfordern – eine Grundvoraussetzung dafür sollte die Förderung einer guten natürlichen Schädlingsbekämpfung sein“.

Mit einer erwarteten Weltbevölkerung von 9,7 Milliarden Menschen bis 2050 erforschen Wissenschaftler, wie mehr Nahrungsmittel mit weniger Umweltbelastung angebaut werden können. Pywell und sein Team glauben, dass die nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft eine Lösung sein könnte.

„Dies ist ein beispielloser Versuch in Bezug auf den Umfang und wird es uns ermöglichen zu verstehen, unter welchen Anbaubedingungen und für welche Optionen des Pflanzenschutzes diese wirksam bei der Schädlingsbekämpfung sein können“, sagte er. „Unser Ziel ist es nicht, Pestizide zu ersetzen, sondern andere Bewirtschaftungsoptionen anzubieten, die es den Landwirten ermöglichen, weniger abhängig von ihnen zu sein.“

Enten ermöglichen Bio-Reisanbau

Eine Methode des Reisanbaus, die sich auf Enten stützt, um Insekten und Unkraut zu fressen, wurde vor einigen Jahren entdeckt. Die Aigamo-Methode des Reisanbaus wurde 1989 von Takao Furuno, einem Farmer in der Präfektur Fukuoka, entwickelt und ermöglicht die Produktion von gesundem und leckerem Reis, wobei weniger Arbeit als bei früheren Methoden erforderlich ist. Von seinen Anfängen in Japan hat es seinen Weg in Reisanbauländer wie Südkorea, China, Vietnam, die Philippinen, Thailand und sogar in den fernen Iran gefunden. Mit dieser Methode gezüchteter Reis ist resistenter gegenüber Taifunen und anderen Problemen, und einige Bauern, die damit begonnen haben, haben es als „Geschenk von Gott“ bezeichnet. 

Bio-Reis 

Der Aigamo ist eine Kreuzung von wilden und einheimischen Enten. Die Aigamo-Methode für den Reisanbau beinhaltet die Freisetzung von Aigamo-Entenküken in ein Reisfeld etwa eine oder zwei Wochen nach dem Einpflanzen der Sämlinge. Zwischen 15 und 20 dieser Vögel werden auf 1.000 Quadratmetern Ackerland benötigt. Ebenfalls notwendig ist ein Unterstand, in dem die Enten sich ausruhen und vor Regen schützen können. Um sie vor Hunden, Katzen, Wieseln und Krähen zu schützen, sollte das Feld von einem elektrischen Zaun umgeben und von oben durch eine Angelschnur geschützt werden.

Die Entenküken helfen den Reissämlingen zu wachsen, indem sie sowohl Insekten als auch Unkräuter essen, die ihnen im Weg stehen. Der Landwirt kann dann den Reis ohne Verwendung von Pestiziden oder Herbiziden anbauen. Er oder sie ist auch frei von der rücksichtslosen Arbeit, sich zu bücken, um Unkraut von Hand zu ziehen. Der Kot der Entchen wird zu einer wichtigen natürlichen Düngerquelle. Ausserdem schüren sie den Boden im Reisfeld mit ihren Füssen und Schnäbeln, was den Sauerstoffgehalt des Bodens erhöht und ihn für die Keimlinge nahrhafter macht. Und wenn es Zeit ist, den Reis im Herbst zu ernten, sind die Enten fett geworden und können für Fleisch verkauft werden. Indem sie es den Bauern erlauben, Getreide biologisch anzubauen und auch Enten zu züchten, um sie als Fleisch zu verkaufen, die Aigamo-Methode tötet wirklich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Finanzielle Erleichterung 

In Ländern in ganz Asien, wo die Menschen über die Übernutzung von chemischen Düngemitteln und Pestiziden nachdenkenzieht die Aigamo-Methode zur Aufzucht von gesundem und leckerem Reis die Aufmerksamkeit auf sich, und viele Landwirte haben begonnen, sie zu nutzen. Diese Methode ist aus Kostengründen vorteilhaft, da die Landwirte keine teuren chemischen Düngemittel oder Pestizide mehr kaufen müssen. Und die Tatsache, dass zusätzliches Geld gemacht werden kann, wenn die ausgewachsenen Enten verkauft werden, ist ein weiterer Faktor, den viele ansprechend finden. 

Der Aigamo ist eine Kreuzung zwischen der Kamo (Wildente) und der Ahiru (Hausente). weilKamo sind wandernde, es wurde geglaubt, dass die Verwendung von Ahiru besser für die Landwirtschaft wäre. Einige Experten sagen jedoch, dass Aigamo verwendet werden, weil sie eine grosse Menge an schmackhaftem Fleisch produzieren und leichter zu bekommen sind als Ahiru. 

Furuno, der Pionier der Aigamo- Reisanbaumethode, hat Kambodscha, China, Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Südkorea, Taiwan und Vietnam besucht, um die Methode einzuführen. Neue Technologien und neue Ideen werden in verschiedenen Bereichen erprobt, und Japan hat begonnen, Rückmeldungen von den Landwirten selbst zu erhalten.