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Schweiz erlaubt 3600-mal mehr Glyphosat in Gewässern

Pestizide in der Landwirtschaft sind hochumstritten, weil ihre Rückstände Umwelt und Gewässer gefährden. Umso erstaunlicher ist es, dass es in der Gewässerschutzverordnung bisher keine nachvollziehbaren Grenzwerte gab. Stattdessen wurde nur ein einheitlicher Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für alle Pestizide festgelegt, ungeachtet ihrer Giftigkeit. Zudem hatte die Verordnung Lücken, welche die Ahndung praktisch verhinderten.

Diese willkürlichen Grenzwerte sollen in der ­Teilrevision der Gewässerschutzverordnung nun für 38 Pestizide angepasst werden. Grundlage sind für jeden Stoff Dutzende von Toxizitätsstudien, in welchen die effektiven Schäden gemessen wurden, die die Pflanzenschutzmittel in der Natur anrichten. Beim Glyphosat ist der Grenzwert dabei von 0,1 Mikrogramm pro Liter auf 360 Mikrogramm pro Liter angehoben worden. Bei anderen, viel giftigeren Stoffen ist er allerdings gesunken, zum Teil bis in den Nanogrammbereich.

«Dass der wichtigste Hersteller der Agromulti Monsanto ist, macht die Sache nicht einfacher.»

Dass diese Grenzwerte nun einmal konkret festgelegt werden, ist eine gute Nachricht. Politisch weniger glücklich ist der Zeitpunkt der Vorlage. Nach dem EU-Entscheid für eine Wiederzulassung von Glyphosat gehen die Wogen hoch. Das Pestizid, dessen Verkäufe in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen sind, steht für eine auf möglichst hohe Erträge getrimmte Landwirtschaft, welche der Bevölkerung immer suspekter wird. Dass der wichtigste Hersteller von Glyphosat der Agromulti Monsanto ist, macht die Sache nicht einfacher.

Kommt hinzu, dass Glyphosat nur eines von vielen Umweltgiften ist, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden – und Glyphosat gehört noch zu den best­untersuchten und harmlosesten. Doch was ist mit all den anderen Giften? Wie wirken diese zusammen auf die Umwelt oder gar auf den Menschen, falls sie sich anreichern? Die Prüfung einer solchen Mischtoxizität steht erst am Anfang. Doch was die Menschen interessiert, sind nicht die Folgen eines Gifts bei Toxizitätstests im Labor, sondern das, was man schliesslich effektiv abkriegt. Und das ist nicht nur Glyphosat. (Quelle: Tages-Anzeiger)

Deformierte Nutztiere

Europäische Tierbetriebe importieren das glyphosathaltige Gen-Soja aus Argentinien, Brasilien sowie den USA als Futtermittel für ihre Ferkel und Säue. In Dänemark schlägt ein Grossproduzent Alarm.

Ib Pedersen betreibt bereits seit fast zwanzig Jahren eine Schweinezucht in Dänemark. Er hält mehrere Hundert Sauen und über zweitausend Ferkel. Seit etlichen Jahren entdeckt er immer häufiger Missbildungen und Deformationen, die ihn beunruhigen. «Frontal21»-Redaktoren waren vor Ort, wo ihnen Pedersen ein Ferkel zeigte, das am gleichen Tag geboren worden war:

«Dieses kleine Ferkel wird es nicht schaffen. Es kann nicht trinken, weil es keine Nase hat, durch die es Luft bekommen kann, es muss durch das Maul atmen

Seit sich solche Missbildungen häuften, ging der Schweinezüchter möglichen Ursachen nach. Ein Verdacht richtete sich auf Rückstände des Pflanzengiftes Glyphosat im Futtermittel, das er verwendete. Sie könnten für die Defekte der Tiere verantwortlich sein.

Zwei Behälter, gefüllt mit deformierten Ferkeln, brachte Ib Pedersen im Frühling 2013 zur Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig, wo die Mikrobiologin Monika Krüger seit Jahren potenzielle Auswirkungen von Glyphosat auf Nutztiere erforscht.

Glyphosat im ganzen Körper

In ihrem spezialisierten Labor konnte Krüger bei allen eingelieferten Ferkeln Glyphosat nachweisen, und zwar in ähnlichen Konzentrationen im ganzen Körper – in den Organen, der Muskulatur und in den Darmwänden: «Das bedeutet, dass die Tiere das Glyphosat über die Plazenta der Muttertiere aufgenommen haben.» Die Muttertiere hatten Futter mit genverändertem Getreide gegessen, das gegen das Pflanzenschutzmittel Glyphosat auf den Feldern resistent ist.

WHO verkündet: Glyphosat ist ein Krebserreger

Dies dürfte aber bei der neuen, erwähnten Studie nicht mehr so einfach sein, da diese von der International Agency for Research on Cancer (IARC), einer Einrichtung der WHO, durchgeführt wurde.

Die im März 2015 in der Fachzeitschrift Lancet Oncology veröffentlichte Studie zeigt auf, dass insgesamt fünf Organophosphate, die als Herbizide oder Pestizide zum Einsatz kommen, krebserregend sind. Darunter befindet sich auch das Herbizid Glyphosat, das in die Gruppe 2A eingestuft wurde. Diese Kategorie umfasst Substanzen, die bei Tieren definitiv und bei Menschen höchstwahrscheinlich Krebs auslösen.

Die Studie bezieht sich auf diverse Untersuchungen in den USA, Kanada und Schweden, die seit 2001 durchgeführt wurden. Hierbei kamen Krebs-Experten aus 11 Ländern einstimmig zum Schluss, dass Roundup bei Tieren Krebs auslösend wirkt.

Die Forschungen ergaben mitunter eine Häufung von Karzinomen der Nierentubuli und von bösartigen Tumoren im Stütz- und Bindegewebe. Zudem erhöhte Glyphosat die Rate von Geschwülsten in der Bauchspeicheldrüse und es kam zu einer erhöhten Rate von Hautkrebs. 

Doch auch der Mensch bleibt nicht verschont: Die Wissenschaftler konnten überzeugende Beweise vorlegen, dass das Herbizid Lymphdrüsen- und Lungenkrebs auslöst. Zudem haben Untersuchungen gezeigt, dass Glyphosat in menschlichen und tierischen Zellen DNA- und Chromosomenschäden verursacht.

Glyphosat – Hochtoxisch für Gewässer

Es regnet und das Glyphosat wird von Ihren Wegen in den nächsten Weiher gespült. Glyphosat ist für Gewässer hochtoxisch. Je nach Dosis vernichtet Glyphosat im Wasser nahezu alles, was darin lebt und wächst – ob nun Fische, Molche, Frösche, Libellenlarven, Algen oder Wasserpflanzen. Der Mensch ist nun aber kein Frosch. Doch was einen Frosch tötet, geht auch am Menschen nicht spurlos vorüber – und so trägt Glyphosat über die Jahre hinweg peu à peu zur Krebsentstehung bei. Und nicht nur das, auch Autismus wird mit Glyphosat in Verbindung gebracht:

Immer mehr autistische Kinder durch Glyphosat?

Mindestens zwei Studien sehen einen Zusammenhang zwischen dem rapide steigenden Einsatz von Roundup und der wachsenden Zahl autistischer Kinder.

Wissenschaftlerin Stefanie Seneff vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) – Studienleiterin einer der beiden Studien – befürchtet, dass bis zum Jahr 2025 jedes zweite amerikanische Kind autistisch sein könnte, wenn Glyphosat weiterhin so massiv auf die Felder gesprüht wird wie bisher.

 

Quellennachweise:

  • https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/bald-ist-in-gewaessern-3600mal-mehr-glyphosat-erlaubt/story/11271994 
  • https://www.zdf.de/politik/frontal-21/glyphosat-heimtueckisches-gift-102.html#/beitrag/video/2407888/Glyphosat-Heimtueckisches-Gift 
  • http://www.thelancet.com/pdfs/journals/lanonc/PIIS1470-2045%2815%2970134-8.pdf 
  • http://www.mdpi.com/1099-4300/15/4/1416 
  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24954055 
  • http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ps.1518/epdf?r3_referer=wol&tracking_action=preview_click&show_checkout=1&purchase_site_license=LICENSE_DENIED 

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