Gesundheit

Plastik im Blut: Wie wir uns und die Umwelt täglich vergiften

Wir leben in einem Plastikzeitalter mit gravierenden Folgen für die Umwelt und für den Menschen. Plastik ist biologisch nicht abbaubar und zerfällt teilweise erst in mehreren hundert Jahren in immer kleinere Teile. Dabei setzt es gebundene Chemikalien frei und zieht weitere Chemikalien aus der Umgebung an, so dass Mikroplastik-Teile wie kleine Giftmülltransporter im Meer schwimmen, bis sie in die Nahrungskette gelangen.

Aus Plastik, das uns umgibt und mit dem unsere Nahrung in Kontakt kommt, können sich ebenfalls giftige Chemikalien lösen, die wir einatmen und die wir essen. Fatal: Jeder von uns hat heute bereits Chemikalien aus Plastik im Blut.

Exponentiell zu dem signifikanten Anstieg der Plastikproduktion in den letzten 50 Jahren nahmen die sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Allergien, Asthma, Rheuma, Arthritis, Diabetes, Alzheimer, Autoimmunerkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen, Magen-Darm-Krankheiten, Parodontitis und chronische Infektionen zu.

Alle diese Erkrankungen haben eine Entzündungskomponente, was dafür spricht, dass das Immunsystem keine zusätzlichen Reize mehr toleriert. Auch hormonbedingte Erkrankungen nehmen signifikant zu. Viele Wissenschaftler machen die Umwelthormone dafür verantwortlich – wie Chemikalien aus Plastik, die im Körper ähnlich wie Hormone wirken.

Das Buch “Plastik im Blut” richtet sich an alle, die die Umwelt und sich selbst schützen wollen. 

 Warum Plastik?

Plastik ist leicht, praktisch und vor allem billig. Deswegen verwenden Millionen Menschen Produkte aus Plastik auch im Lebensmittelbereich. Es zu vermeiden ist nicht so einfach, denn Plastik-Verpackungen sind für die Industrie die billigste Form ihre Waren zu verpacken und so kommen 80 Prozent der im Handel verfügbaren Waren mittlerweile mit Plastik in Kontakt.

Dabei gibt es weltweit über 800 Studien, die sich mit den schädlichen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt befassen und sich in einem Punkt einig sind: Es gibt kein schadstofffreies Plastik.

Denn selbst die für die Lebensmittelbranche zugelassenen Plastiksorten PE, PP und PET beinhalten schädliche Stoffe und geben sie an die Umgebung ab. Kaum ein Kunststoffverwender weiss jedoch über die Gefahren und Gesundheitsschäden von Plastik Bescheid.

Die ersten weitläufig bekannten Hinweise für die schädliche Wirkung dieses Stoffes kamen bei den Tests von Mineralwasser aus Plastikflaschen in die Medien. Dabei wurden in fast jeder fünften Flasche insgesamt 85 Stoffe entdeckt, die nichts im Wasser zu suchen haben. Die Untersuchungen des Instituts für Ökologie, Evolution und Diversität der Frankfurter Universität haben chemische Weichmacher (Phthalate) und Bisphenol A wiederholt bei mehr als der Hälfte der getesteten Produkte in Mineralwasser aus Plastikflaschen nachgewiesen.

Sie fragen sich, wie es möglich ist bei den „strengen“ deutschen Gesetzen und der Aufsicht? Die Antwort gibt Dieter Swandulla, Institutsdirektor der Physiologie an der Universität Bonn: „Im Plastik einer Wasserflasche sind über 2000 Inhaltsstoffe enthalten. Jeder Hersteller hat Geheimrezepturen, die er nicht offenlegen muss. Bewertungen als Gefahrenstoff gibt es vielleicht nur für zirka 20 Prozent dieser Substanzen“.

Was sind Phthalate und Bisphenol A und welche Auswirkungen haben sie?

BPA ist die meistproduzierte Chemikalie der Welt und wird von der Industrie dem Plastik hinzugefügt, um es formstabil und besonders hart zu machen. Ohne BPA wäre Hartplastik also nicht denkbar. Zusätzlich wird BPA in Beschichtungen für Lebensmittel- und Getränkedosen aus Metall, sowie in Konservierungsmitteln verwendet.

Über die Nahrungsaufnahme gelangt es vom Mund direkt in die Blutlaufbahn. Zusätzlich nehmen wir es über die Haut und mit dem Hausstaub über die Atmung in unseren Körper auf. Laut Recherchen des NDR Wirtschafts- und Verbrauchermagazins ‘Markt’ sind sogar Mineralwässer und Biere teilweise mit mikroskopisch kleinen Fasern aus Plastik verunreinigt.

Dadurch kann mittlerweile bei über 90 Prozent der Menschen in den industrialisierten Staaten die BPA-Belastung im Urin und Blut nachgewiesen werden.

„Der Grossteil der Studien unabhängiger Wissenschaftler zeigt schädigende Effekte“ (Sarah Häuser, Expertin für Chemikalienpolitik und Nanotechnologie beim Bund für Umwelt und Naturschutz). Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor möglichen Folgen von Bisphenol A in Lebensmittel-Verpackungen.

Denn BPA imitiert Hormone bzw. ist ein synthetisches Hormon, das östrogene Wirkung hat. “Östrogene docken bei Frauen und Männern an vielen Genen im Körper an. Eine Störung der Hormon-Produktion wegen Zellveränderungen hat somit Auswirkungen auf viele Bereiche” sagt Peter Frigo, Leiter der Hormonambulanz der Medizinuni am AKH in Wien. Hormone senden Signale und bewirken, dass Zellen darauf reagieren und können dadurch sogar Zellsterben verursachen. Auch eine Überblicksstudie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Wirkung hormoneller Stoffe gibt den Wissenschaftlern Recht. Die WHO schreibt, dass der Zuwachs an hormonell bedingten Krankheiten in der Statistik nicht durch genetische Faktoren, sondern nur durch äussere Einflüsse zu erklären ist. Die Behörde bezeichnet daher hormonell wirksame Chemikalien als “globale Bedrohung”.

Obwohl die Industrie stets behauptet, dass die in den Produkten enthaltene Dosis zu gering ist, um Schäden bei Menschen zu verursachen, haben Studien des Wissenschaftlers Frederick vom Saal schon Mitte der 90er Jahre belegt, dass BPA schon ab einer kleinen bis mittleren Dosierung gesundheitsschädigend sein kann. Daher gilt die Regel „Die Dosis macht das Gift“ nicht für Hormone. Hormone sind selbst in kleinsten Mengen wirksam, schlimmer noch, wirkt BPA in kleinen Mengen sogar stärker, als in grossen. Dieter Swandulla von der Universität Bonn geht noch weiter: „Es besteht aufgrund seiner Fettlöslichkeit die Gefahr, dass BPA sich in unterschiedlichen Körpergeweben einlagern kann und dort hohe Konzentrationen erreicht.“

Zahlreiche Studien erhärten den Verdacht und deuten darauf hin, dass BPA:

  • die Entwicklung von Gehirn beeinflusst und nervenschädigend 
  • Spermienproduktion verschlechtert und zuUnfruchtbarkeit führt.
  • das Gewicht der Prostata erhöht.
  • fürniedrigeres Geburtsgewicht, Fehlbildungen der männlichen Genitalien und für veränderte Verhaltensentwicklung 
  • Krebserkrankungen, Diabetes, Fettleibigkeit, Herzkreislauferkrankungen zur Folge hat.
  • Veränderung und Störungen des Erbguts bewirkt(Hinweise darauf fand die Molekularbiologin Patricia Hunt).
  • Enzyme und Transportproteine in ihrer Funktion beeinträchtigt und für die Zellfunktion wichtige Kalzium-Kanäle in der Zellmembran blockiert. Durch diese Kanäle strömt Kalzium in die Zellen, wodurch z.B. die Kontraktion der Herzmuskelzellen oder die Kommunikation von Nervenzellen untereinander gesteuert wird.
  • die Reifung des Gehirns von Ungeborenen und Kleinkindern irreversibel schädigen Deswegen ist der Stoff in Babyfläschchen bereits EU-weit verboten.


Seit 1. Januar 2015 ist in Frankreich die Herstellung, der Import / Export von Lebensmittelverpackungen, die Bisphenol A enthalten, 
verboten.

Nach der öffentlich gewordenen Kritik hat die Industrie reagiert und einen Ersatz für BPA entwickelt – Bisphenol S (BPS), doch auch BPS kann das Gehirn schädigen.“Man verwendet diese Chemikalie an Stelle von BPA – und das ohne ausreichende toxikologische Daten”, sagt der Umwelttoxikologe Kyungho Choi von der Seoul National University. Wegen seiner zu BPA ähnlichen Struktur steht auch BPS im Verdacht, wie ein Östrogen zu wirken, erklärt Cheryl Watson von der medizinischen Fakultät der University of Texas in Galveston.

In der neusten Studie aus der University of California (UCLA) fanden die Forscher heraus, dass BPS die Fortpflanzung stört, die embryonale Entwicklung beschleunigt und so zu Frühgeburten führen kann. Ausserdem kam heraus, dass BPS wie auch BPA nicht nur die Wirkung von Östrogen, sondern auch von Schilddrüsen-Hormonen haben.

Phthalate stehen im Verdacht:

  • wie BPA hormonell zu wirken.
  • Testosteron zu unterdrücken.
  • Gewichtszunahme zu fördern.
  • Asthma, Krebs, Allergien, Funktionsstörungen im Gehirn auszulösen.
  • zu Frühgeburten zu führen: In einer Studie wiesen Schwangere mit der höchsten Phthalatkonzentration im Urin ein bis zu fünffach erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt auf.


Egal, wie oft die Hersteller die Unschädlichkeit beteuern, sie können sie nicht garantieren, da es immer noch keine Langzeitstudien gibt. Verbraucherschützer und Ärzte raten daher auf Plastikdosen oder -verpackungen zu verzichten.

 

Quellennachweise:

  • http://www.laves.niedersachsen.de/startseite/lebensmittel/biologische_testsysteme/untersuchung-auf-oestrogenartige-stoffe-mit-einem-biotest-108339.html
  • http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2010/A/endokrine_disruptoren__substanzen_mit_schaedlichen_wirkungen_auf_das_hormonsystem-50488.html
  • http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/chemie/120615_bund_chemie_achtung_plastik_broschuere.pdf
  • http://www.fr-online.de/lebensmittel/weichmacher-im-mineralwasser-schadstoffe-in-vittel-und-volvic-entdeckt,21868140,22214302.html
  • http://www.welt.de/gesundheit/article117122947/Bisphenol-A-geraet-ueber-den-Mund-direkt-ins-Blut.html
  • http://www.wiwo.de/technologie/forschung/bisphenol-a-in-unserem-blut-fliesst-plastik/9002916.html
  • http://www.spektrum.de/news/wie-gefaehrlich-sind-bisphenol-a-und-seine-ersatzstoffe/1285126
  • http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/05/bisphenol-a-giftige-plastik-rueckstaende-gelangen-in-das-menschliche-blut/
  • http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/top_news/611159_Hunderte-Chemikalien-in-Lebensmittel-Verpackungen.html
  • http://jech.bmj.com/content/early/2014/01/28/jech-2013-202593
  • http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/ernaehrung/in-diesen-bier-und-wassersorten-schwimmen-plastikpartikel-aid-1.4285640

 

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